Whatever it takes

von Nadia

Kapitel 1

„Na, dann wollen wir mal“, sagte Colonel John Sheppard enthusiastisch und stemmte sich aus dem Pilotensessel. Ronon Dex öffnete die Luke des Puddle-Jumpers, ließ jedoch seiner Kameradin Teyla Emmagan den Vortritt, als Erste auszusteigen.

„Ich hoffe ja nur, dass wir nicht wieder auf Leute wie die Genii stoßen“, brummelte Rodney McKay, als er aus dem Jumper ins warme Sonnenlicht des Planeten Daluss trat. „Von denen habe ich eindeutig die Nase voll.“

Dex und Emmagan lächelten leicht und gingen nebeneinander in Richtung Südosten, wo sich die Siedlung der Dalussaner befand. „Keine Sorge, die Dalussaner sind harmlos.“

„Nichts für ungut, Teyla, aber das haben Sie damals über die Genii auch gesagt. Und wir alle wissen, zu welcher Plage sie inzwischen geworden sind.“ Sheppard konnte sich diese Bemerkung nicht verkneifen.

McKay fühlte sich bestätigt. Viel zu oft wurde ihm unterstellt, er würde übertreiben. Doch alles, was die Genii bisher getan hatten – insbesondere die kürzliche Entführung Sheppards – zeigte deutlich, dass sie zu einer fast ebenso großen Bedrohung geworden waren wie die Wraith.

„Als Sie Erstkontakt mit den Genii hatten, war ich nicht dabei“, entgegnete Dex ruhig. „Und glauben Sie mir, sobald einer von ihnen auch nur so aussieht, als könnte er gefährlich werden…“ Er zog seine Plasmawaffe und hob sie leicht an, sodass McKay sie gut sehen konnte. „…werden Sie Bekanntschaft mit diesem Baby machen.“

McKay fragte sich einmal mehr, warum Männer wie Dex ihre Waffen „Baby“ nannten. Er war jedenfalls froh, dass Sheppard so etwas nie tat – wobei dieser auch keine Waffe dieser Art besaß. Innerlich seufzend folgte er schweigend dem Rest des Teams.

„Und wo sind diese netten Dorfbewohner?“ Sheppard ließ den Blick über die Siedlung schweifen. Die liebevoll gebauten Häuser wirkten verlassen, beinahe gespenstisch. „Hallo?“

„Das ist seltsam“, sagte die Athosianerin und hob vorsichtig ihre Waffe. „Ich bin es, Teyla Emmagan. Horas? Mirell?“

McKay positionierte sich instinktiv zwischen ihnen und drehte sich nervös im Kreis. Auch er zog seine Waffe, vergaß jedoch in seiner Anspannung, sie zu entsichern. Zunächst hörte er nichts außer dem Rauschen seines eigenen Blutes in den Ohren, dann drang Sheppards Stimme zu ihm durch.

„Sie kommen mit mir, McKay. Teyla, Ronon – sehen Sie sich dort hinten um.“ Sheppard deutete auf die Häuser auf der linken Seite, während er selbst mit McKay die rechte Seite überprüfen wollte.

Wenn eine ganze Siedlung verschwunden war, ließ das eigentlich nur einen Schluss zu – und der gefiel Sheppard ganz und gar nicht. Jetzt blieb nur zu hoffen, dass die Wraith längst wieder verschwunden waren.

„W-was denken Sie?“, fragte McKay und konnte die Anspannung in seiner Stimme nicht verbergen.

„Wraith, McKay. Das denke ich. Und Teyla und Ronon auch. Es ist ziemlich offensichtlich.“ Sheppard betrat die Veranda eines Hauses und klopfte an die schwere Holztür. „Hallo? Jemand zu Hause?“

Als niemand antwortete, öffnete er die Tür vorsichtig und trat mit gezogener Waffe ein. Sein Blick glitt schnell durch den ersten Raum.

McKay sicherte ihm den Rücken und beobachtete den schmalen Pfad, der sich durch die Siedlung zog. Es war erstaunlich, wie ähnlich sich die Welten in der Pegasus-Galaxie waren. Unterschiedliche Namen, unterschiedliche Glaubensrichtungen – und doch waren sie im Grunde alle gleich. Und alle waren sie Nahrung für die Wraith.

„Die Luft ist rein“, meldete Sheppard, als er wieder nach draußen trat. „Keine Anzeichen für einen Kampf.“

„Vermutlich wurden die Dorfbewohner auf ein Wraithschiff transportiert“, mutmaßte McKay. Er selbst hatte bereits das zweifelhafte Vergnügen gehabt, in einem dieser „Frischhaltekokons“ zu stecken – darauf wartend, dass ein Wraith sich an ihm labte.

Noch nie hatte er solche Angst vor dem Sterben gehabt.

Und er wollte sich gar nicht ausmalen, wie es Sheppard ergangen sein musste, als der Wraith ihm wieder und wieder Leben entzogen hatte. Der Gedanke daran ließ ihm noch immer das Herz schwer werden – besonders die Erinnerung daran, wie Sheppards Haare grau geworden waren, seine Haut faltig, sein Körper schwächer.

„Da könnten Sie recht haben“, sagte Sheppard. „Soviel zu unseren Verhandlungen.“ Er seufzte und trat wieder auf den Pfad hinaus, der zwischen den Häusern hindurch in Richtung Wald führte.

Im selben Moment kamen ihre Kameraden Teyla und Ronon ebenfalls zurück.

„Niemand da“, sagte der Satedaner und sprang elegant über das Verandageländer.

„Ich konnte ebenfalls niemanden finden“, fügte Teyla hinzu.

„Sieht schlecht aus für die Dalussaner“, murmelte Sheppard. „Ich schlage vor, wir gehen zurück zum Stargate. Hier können wir nichts mehr tun.“

Teyla nickte betroffen nach einem letzten Blick auf die leere Siedlung. „Ja, ich denke, Sie haben recht, Colonel.“

* * *

Das Stargate war bereits in Sicht, als McKay plötzlich innehielt und erschrocken zum Himmel blickte.

„Was ist—?“ begann Sheppard, doch im selben Moment sah und hörte er es ebenfalls. Ein Wraithschiff näherte sich – der Transporterstrahl war bereits aktiviert. „Verdammt! Lauft!“

Sie rannten los, doch noch bevor sie das Stargate erreichen konnten, fielen die ersten Schüsse.

Die Athosianerin wirbelte herum und gab Deckungsfeuer. Das Schiff hatte sie im ersten Anflug verfehlt, doch es würde zurückkehren. Die unmittelbare Gefahr ging nun von einem halben Dutzend Wraith aus, die sich zu Fuß näherten und ununterbrochen feuerten.

Dex und Sheppard unterstützten Teyla, während sie sich weiter in Richtung Stargate zurückzogen. McKay stolperte hinter ihnen her, bereits völlig außer Atem und überzeugt davon, dass seine Waffe nicht funktionierte. In seiner Panik kam er nicht auf die Idee, dass sie lediglich gesichert war.

Und dann passierte es.

Er stolperte über einen Stein, verlor das Gleichgewicht – und geriet direkt in Sheppards Schusslinie.

Ein brennender Schmerz durchzuckte seinen Bauch, dann wurde alles schwarz um ihn herum.

All das geschah in einem kurzen Augenblick und Sheppard bemerkte es zunächst nicht. Erst einige Meter weiter drehte er sich erneut um, um zu feuern – und sah McKay am Boden liegen.

Für einen Moment setzte sein Herzschlag aus.

Die Wraith waren noch auf Abstand, doch das Schiff würde jeden Moment zurückkehren.

„Rodney!“

Keine Reaktion.

„Aktiviert das Stargate! Ich hole ihn!“, befahl er seinen Kameraden.

Ohne zu zögern rannte Sheppard zurück. Als er näher kam, sah er das Blut – viel zu viel Blut. Und sofort wusste er, was passiert war.

Nicht etwa die Wraith hatten McKay erwischt, sondern er selbst!

„Verdammt“, presste er hervor und ging neben McKay in die Knie. „Rodney?“ Keine Reaktion.

Er zögerte nicht länger, hob ihn hoch und warf ihn sich über die Schulter. Es blieb keine Zeit für Zweifel. Lieber würde er mit ihm zusammen sterben, als ihn hier zurückzulassen.

Mit brennenden Lungen erreichte er schließlich das Stargate, das Teyla und Ronon inzwischen aktiviert hatten. Sekunden später trat er mit dem geschulterten McKay durch das Tor.

Für den Moment waren sie in Sicherheit.

* * *

Im Gateraum herrschte augenblicklich hektische Aktivität, kaum dass das Team durch das noch flackernde Wurmloch getreten war. Befehle wurden gerufen, Schritte hallten von den Wänden wider, und mehrere Sanitäter eilten herbei, noch bevor Sheppard McKay richtig ablegen konnte. Mit routinierten Handgriffen wurde der reglose Körper des Wissenschaftlers auf eine Trage gehoben. Blut tränkte bereits seine Kleidung und sickerte durch den Stoff, tropfte auf den metallischen Boden.

„Vorsichtig!“, wies Dr. Beckett scharf an, während er sich neben die Trage bewegte und McKay noch im Gehen einer ersten, hastigen Untersuchung unterzog. Seine Finger waren bereits blutverschmiert, als er den Puls prüfte, die Wunde freilegte und mit einem kurzen, ernsten Blick die Situation einschätzte. „Wir verlieren ihn, wenn wir nicht sofort— Krankenstation, jetzt!“

Ohne eine weitere Sekunde zu verlieren, setzte sich das medizinische Team in Bewegung und schob die Trage mit höchster Eile aus dem Gateraum. Die Räder ratterten über den Boden, während Beckett nebenherlief und ununterbrochen Anweisungen gab.

Teyla blieb einen Moment wie angewurzelt stehen. Ihr Blick haftete an der Blutspur, die McKay hinterließ, und ein beklemmendes Gefühl zog sich durch ihre Brust. Sie hatte viele Verletzte gesehen, viele Kämpfe überstanden – doch das hier… das war anders. Zu viel Blut. Viel zu viel.

Und sie wusste, ohne dass es jemand aussprechen musste, dass es schlecht stand. Sehr schlecht.

„Was ist passiert?“ Dr. Weir kam ihnen schnellen Schrittes entgegen, ihre Stimme angespannt, während ihr Blick zwischen den Teammitgliedern hin und her wanderte, schließlich jedoch an der Richtung hängen blieb, in die McKay gebracht worden war.

„Wir wissen es nicht genau“, antwortete Ronon ungewöhnlich ernst. „Er lag plötzlich am Boden.“

„Ein Dutzend Wraith war hinter uns her“, ergänzte Teyla leise, noch immer sichtlich erschüttert. „Wir mussten uns zurückziehen.“

Weir nickte kaum merklich, doch ihre Aufmerksamkeit verlagerte sich bereits. Ihr Blick fiel auf die wenigen Sekunden zuvor freigelegte Wunde – auf die Art, wie das Gewebe aufgerissen war, auf das Blut, das nicht die typischen Spuren einer Betäubungswaffe zeigte.

Und in diesem Moment verstand sie.

Ihr Atem stockte.

„Aber…“

Das war keine Wraithwaffe.

Das war etwas anderes.

Etwas sehr viel Schlimmeres.


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